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Aus:
Eberhard Michael Iba: Der Klabautermann und andere Sagen und Geschichten
in und um Bremerhaven. Schriftenreihe: Aus der Schatzkammer der
Deutschen Märchenstraße. Bremerhaven 1984. Die
Sage vom Roten Sand Der Riese Rik und der "Rote" Sand Vor
langer, langer Zeit lebte an der Unterweser ein gefräßiger Riese mit
Namen Rik. Mit einem großen Netz bewaffnet, stieg er in die
verschiedenen Wasserarme der Weser hinein und fischte Lachse und Störe,
die er an der Sonne trocknete, um Vorrat für den Winter zu haben. Er
fing auch Seehunde, die in Scharen auf den Sänden lagen, und sammelte während
der Brutzeit der Seevögel ihre frischgelegten Eier. Der
Sage nach soll seine aus Findlingen erbaute Burg entweder an der Reede
von Bremerhaven, unweit der Geestemündung, oder aber beim ehemaligen
Fort Brinkamahof 11 mitten im Weserstrom gelegen haben. Dort mußten die
Fischerboote aus dem Binnenland, die um Helgoland herum fischen wollten,
vorbeifahren. Bei
den Riesen hat man von jeher neben einem Hang zur Grausamkeit auch Gutmütigkeit
gefunden. Gutmütig war Rik, denn er wollte sich nur seinen Wanst
vollschlagen, und so hatte er mit den Fischern folgende Abmachung
getroffen: Bei der Ausfahrt in die Nordsee musste ihm jedes Schiff eine
Wurst oder ein Stück Fleisch abliefern, während er sich auf der Rückfahrt
mit einer Portion Seefische begnügte, die jeweils nach dem Fangergebnis
bemessen wurde. Eines
Tages fiel dem Riesen auf, dass die Weser mehr Wasser als sonst führte,
doch maß er diesem Umstand wenig Bedeutung bei. Es war Frühjahr, und
die Sonne brachte die Schneemengen des Winters zum Schmelzen. Das Wetter
würde zusehends unruhiger, und große Eisschollen strömten an seiner
Burg vorbei. In einer Nacht, als Rik, der Riese, fest schlief, wälzten
sich plötzlich mächtige Wassermassen heran - die Weser hatte bei der
heutigen Porta Westfalica das Wiehengebirge durchbrochen. Ein Südoststurm
trieb das gewaltige Weserwasser auf die Burg zu, und als der Riese
erwachte, war es zum Flüchten zu spät. Seine Burg hielt den anstürmenden
Eisschollen nicht stand, und so verzweifelt auch Rik seinen mächtigen Körper
gegen die tobenden Fluten stemmte, er musste unterliegen. Eine scharfe
Eisscholle riss den Leib des Stürzenden auf, und das Blut des Riesen
ergoss sich in breitem Strome weserabwärts. Eine unter Wasser liegende Sandbank, die später die Bezeichnung "Roter Sand" erhielt, wurde von dem Blute des Riesen rot gefärbt. Auf diesem Sande errichtete man den Leuchtturm Roter Sand. |
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