Die Befeuerung und Lichtquelle auf dem Leuchtturm Roter Sand!
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In
der Laterne des Turms befindet sich 27 m über Hochwasser ein Hauptfeuer
für die Einsegelung in die neue Weser. Dieses Hauptfeuer, ein
Fresnelscher Apparat IV Ordnung mit Otterschen Blenden, ist in der
Richtung von N 68' W durch Süd bis S 46' 0, 10 Seemeilen weit sichtbar.
Dasselbe erscheint als festes weisses Leitfeuer zwischen N 75' W und N
82' W, desgleichen zwischen S 36' 0 und S 40' 0. Zwischen diesen festen
Sektoren, d. i. von N 82' W durch Süd bis S 36' 0, erscheint das Feuer
als weisses Blitzfeuer mit gleichmässig aufeinander folgenden Blitzen,
wobei die Dauer der Blitze und der Verdunkelung je ca. 11/4 Sekunden
beträgt; ausserhalb der festen Sektoren, von N 68'W bis N 75'W, sowie
von S 40'0 bis S 46'0, dgegen als weisses Blitzfeuer mit 2 rasch
aufeinander folgenden Blitzen, denen eine Verdunkelung von ca. 4
Sekunden folgt. Dieses Hauptfeuer hat einen Durchmesser von 3,3 m. Über
diesem Hauptfeuer erhebt sich noch die Kuppel von Kupferblech bis zu
30,7 m Höhe über N. W = Niedrigwasser. Ein
Nebenfeuer in dem nordöstlichen Erker, auf 22,9 m über Hochwasser für
die Einsegelung in die "Alte Weser". Dieses Nebenfeuer, ein
Fresnelscher Apparat V Ordnung, ist ein festes weisses Feuer und in der
Richtung von N 25'W durch Nord bis N 41' 0 8 Seemeilen weit sichtbar. Zwei
Orientierungsfeuer, Fresnelsche Apparate VL Ordnung, welche 5 m unter
dem Hauptfeuer in dem nordwestlichen und südlichen Erker aufgestellt
sind. Das nordwestliche Orientierungsfeuer zeigt in der Richtung N 68'W
durch West bis S 77' W, das südliche in der Richtung S 28' 0 bis S 46'
0 ein festes weisses Licht, welches mit blossem Auge auf über 2 bis
21/2 Seemeilen Entfernung vom Turm nicht mehr deutlich sichtbar ist; das
Sichtbarwerden dieser Feuer bezeichnet die Punkte, wo die Schiffe von
dem einen Leitfeuer in das andere hinüber zu steuern haben. Tiefgehende
Schiffe dürfen sich dem Turme, des Roten Sandes wegen, in den festen
Leitfeuern nur bis auf 11/2 Seemeilen nähern, und müssen denselben
alsdann in einem Abstande von reichlich 5 Kabellängen oder etwa 1000 m
passieren. Der gesamte Leuchtapparat ist in Berlin hergestellt worden. Zur Bedienung des Leuchtapparates und des Telegrafen, der den Turm mit dem Lande verbindet, ist ein Turmwärter und ein Gehilfe angestellt, welche Proviant für mehrere Monate, ein seetüchtiges Boot und ausser zwei Zisternen im Fundament des Turmes einen Süsswasser‑Kondensierapparat zur Verfügung haben; es gehören dazu starknervige, furchtlose Personen. denn die Nordsee dürfte in der rauhen Jahreszeit den dann völlig Abgeschlossenen ein Sturmlied zutosen, das auch die festen Herzen sturmgewohnter Seeleute erbeben machen könnte.
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Die
Lichtquelle Das
Leuchtfeuer bestand anfangs aus einem zweidochtigen Petroleumbrenner. Ab
1896 wurde, um die Tragweite des Feuers zu verbessern, der Leuchtturm über
eine Kabelverbindung von der Insel Wangerooge mit Strom versorgt. Das
Hauptfeuer erhielt damit als Lichtquelle eine elektrische Bogenlampe. Da
jedoch diese Kabelverbindung häufig, vor allem im turmnahen Bereich,
unterbrochen war, wurde der elektrische Betrieb 1904 wieder eingestellt.
Das Leuchtfeuer musste wieder mit Petroleum betrieben werden. Die
erneute Elektrifizierung des Leuchtfeuers erfolgte erst Anfang der 40er
Jahre. Dieselaggregate sorgten für 110 Volt Gleichstrom. Sie versorgten
am Tage das Bordnetz und luden gleichzeitig
Nickel‑Eisen‑Batterien für den Nachtbetrieb. Durch diese
Stromversorgung konnten bereits 1000‑Watt‑Lampen eingesetzt
werden, mit denen eine beträchtliche Verbesserung der
Leuchtfeuertragweite erzielt wurde. Einer der wesentlichen Gründe für
die späte Elektrifizierung war seine exportierte Position am Rande der
offenen See. In
dieser Zeit wurden mit den leuchtfeuertechnischen auch bauliche Änderungen
durchgeführt. Das untere Stockwerk wurde Lagerraum, im zweiten
Stockwerk konnte die Stromerzeugung eingerichtet werden. Das dritte
Geschoss erhielt die Küche, während das vierte als Schlafraum
ausgebaut wurde. Darüber befand sich der Dienstraum. Auf der Plattform
wurde ein neues Laternenhaus aufgesetzt. Die
Leuchte war mit einer 1000‑Watt‑Lampe mit Wechselvorrichtung
ausgerüstet worden; daneben wurde am nordöstlichen Erker ein
Nebelschallsender montiert. Nach der Inbetriebnahme des Leuchtturms "Alte Weser" wurde 1964 die Besatzung vom Leuchtturm Roter Sand abgezogen und ein automatisch geregeltes Propangasfeuer eingerichtet. (Gerd
Thielecke)
aus dem Buch Leuchtturm Roter Sand 1985
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