Die Geschichte (kurz und knapp)

Die bewegte Geschichte des Leuchtturm Roter Sand

Am 10. Juni des Jahres 1884 wurde mit dem Bau begonnen und am 10.August 1885 fertiggestellt. Im Turmkopf ist in der Mitte die Laterne des Hauptfeuers, in den 3 Erkern sind die Nebenfeuer. Im Hauptfeuer sowie auch den Nebenfeuern waren Gürtelleuchten mit Reflektoren eingebaut. Als Leuchteinrichtung war im Hauptfeuer eine zweidochtige Petroleumlampe installiert. Die Kennung wurde durch ein Uhrwerk und Otterblenden erzeugt. Auf dem Leuchtturm „Roter Sand“ kamen die 1876 von dem schwedischen Baron von Otter erfundenen Otterblenden erstmals in Deutschland zum Einsatz. Otterblenden sind senkrechte Jalousien, die in einem genauen Rhythmus geschlossen und wieder geöffnet werden.

Mit der Zündung des Feuers am 01. 11. 1885 um 00.00 Uhr nahm der Leuchtturm Roter Sand seinen Betrieb auf.

Im Jahre 1896 wurde der Leuchtturm über ein Seekabel von der Insel Wangerooge mit Strom versorgt. Nach Einbau einer elektrischen Bogenlampe im Hauptfeuer und einer Änderung der Kennung löschte man die Quermarkenfeuer in den Erkern.1904 stellte man in Folge mehrerer ausfälle wieder auf Petroleumglühlicht um.

Durch Verschiebung der Sände und Fahrrinnen verlor der Leuchtturm Roter Sand 1920 etwas an Bedeutung, behielt aber seine wichtige Funktion in der für die Aussenweser und Jade. Um den Turm eine größere Standsicherheit zu geben, erfolgte 1933 eine Erhöhung der Steinschüttung.

Anfang der vierziger Jahre erfolgte eine erneute Elektrifizierung des Turmes, Dieselaggregate sorgten für 110-Volt-Gleichstrom. Der Turm erhielt u. a. ein neues Laternenhaus und in den Erkern nach Nordwest und Süden wurden die Laternen entfernt. Im Hauptfeuer wurde eine neue Gürtelleuchte mit Glühlampenlicht und Wechselvorrichtung installiert. Nach 1945 wurde das Feuer auf Propangas umgestellt und 1947 erfolgte eine weitere Umstellung auf elektrischen Betrieb mit Hilfe eines Dieselaggregats. In den Jahren 1953 – 1959 wurden im Unterwasserbereich des Turmes mehrere Untersuchungen durchgeführt und beträchtliche Schäden entdeckt. Da eine Modernisierung des Leuchtturmes nicht mehr möglich war, wurde an der Mündungsrinne der Alten Weser von 1960 bis 1963 der Leuchtturm „Alte Weser“ gebaut und am 1. September 1964 in Betrieb genommen.

Nach der Inbetriebnahme des Leuchtturms „Alte Weser“ wurde die Besatzung des Leuchtturms „Roter Sand“ abgezogen. Das Uhrwerk und die Nebelglocke des Leuchtturms Roter Sand, die von 1888 – 1964 ihren Dienst auf dem Turm taten, bilden die Attraktion in der Abteilung Schifffahrtswege im Deutschen Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven. ( www.dsm.de )

Es gab zahlreiche Überlegungen, was mit dem Turm geschehen sollte, man sprach von Abriss. Abbau des Oberteils und Aufstellen des Turmes an Land. Erst 1978, als sich Protest regte, setzte sich die Bremische Bürgerschaft einstimmig für den Erhalt des Turmes ein. So wurde der Leuchtturm „Roter Sand“ 1982 unter Denkmalschutz gestellt. Im Frühjahr 1984 wurden umfangreiche Untersuchungen über die Standsicherheit des Turmes durchgeführt, um genaue Aufschlüsse über die Sanierungs- kosten zu erhalten.

1983 wurde der Förderverein „Rettet den Leuchtturm Roter Sand e.V.“ gergründet.

Das Propangasfeuer im Turm wurde am 12. November 1986 abgeschaltet und somit löschte der Turm für immer sein Licht.

Nach umfangreichen Bemühungen des Förderverein und vieler Freunde des Turmes gelang es die Sanierung des Turmes zu sichern. Durch die Idee des Dipl.-Ing. Rolf Seedorf vom Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven über den Turm eine Manschette zu stülpen, war es möglich geworden, eine wirtschaftliche Lösung zu finden.

Der zerstörte Caissonmantel des Leuchtturmes sollte bis 10 m Tiefe von einem Stahlmantel umgeben werden, der möglichst über den Turm gesetzt wird. Anschließend sollte der Zwischenraum zwischen dem Caisson und dem neuen Mantel mit Beton aufgefüllt werden.

Ende April 1987 konnte mit den Vorarbeiten begonnen werden. Am 28. 07. 1987 war der Mantel fertiggestellt und wurde zur Probe vom Schwimmkran ENAK angehoben. Im Juli begangen vorbereitenden Arbeiten am Leuchtturm „Roter Sand“. So wurde mit einem Tieflöffelbagger ein ca. 1,5 m breiter und 2 m tiefer Graben um das Fundament ausgehoben. Eine Tauchergruppe reinigte mit einem Hochdruck- gerät den Sockel des Turmes von Muscheln, Algen und Rost. Am 20. Juli waren diese Arbeiten abgeschlossen und der Arbeitsponton kehrte nach Cuxhaven zurück.

Am 30. 09. 1987 lag ENAK fest an seinen Ankern und hievte den 15,0 x 11,0 x 10,0 m hohen Stahlmantel langsam an und bewegte sich auf den Turm zu. Langsam bewegte sich der stählerne Mantel über den Turm und die Spitze wurde wieder sichtbar. Während des Übersetzens fand nicht die geringste Berührung mit dem Turm statt. Um 14.20 Uhr senkte sich der Stahlkoloss über den Caisson. Anschließend musste die Schale gegen die See geschützt werden. An beiden Spitzen wurde je eine Aussteifungsbohle gerammt und ein Greifer verteilte in den Zwischenraum Stahlschlackensteine. In dem 30 cm breiten Zwischenraum wurden 60 cm hoch 40 Kubikmeter Spezialbeton, der teilweise in die Stahlschlackensteine eindrang, eingefüllt. Die Sanierungsmannschaft der Firma Voss Cuxhaven arbeitete rund um die Uhr. Am 8. November 1987 wurden die Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven übergab am 9. Oktober 1987 den Turm an die Deutsche Stiftung Denkmalschutz.

Zur endgültigen Sanierung des Leuchtturms fehlte noch der Außenanstrich, der von der Stiftung Deutscher Denkmalschutz zu tragen war. Am 13. 06. 1989 begann die Firma Voss Cuxhaven mit dem Entrosten und anschließend wurde der zweimal, die Nietenreihe dreimal grundiert. Am 18. 06. 1989 war die Grundsanierung abgeschlossen, nun folgten die drei Deckanstriche, die am 22. 06. 1980 beendet waren. Der Turm hatte nun wieder sein weltweit bekanntes Aussehen.

In den weiteren Jahren wurde damit begonnen den Innenanstrich zu erneuern und die Inneneinrichtung nach alten Plänen und Fotos zu rekonstruieren. Ohne die vielen freiwilligen Helfer und Tausende geleistete ehrenamtliche Arbeitsstunden wäre es nicht möglich gewesen, den Leuchtturm wieder in diesen Zustand zu versetzen, wie er bis zu seiner Außerdienststellung ausgesehen hat. Um das Anlegen von Schiffen zu erleichtern, erhielt der Turm 1995 zwei Anlegedalben. Die Innensanierung wurde im Jahre 1999 weitgehend abgeschlossen. Im Frühjahr 2001 erhielt der Turm einen neuen Außenanstrich. Im Jahre 2001 wurden vom Förderverein „Rettet den Leuchtturm Roter Sand e.V.“ unter der Regie der Deutschen Stiftung Denkmalschutz Schiffsfahrten zum Turm durchgeführt, wo es möglich ist, auch dort zu übernachten. Die Fahrten können nur bei entsprechender Wetterlage durchgeführt werden, bei mehr als Seestärke 4 ist ein Anlegen am Turm nicht mehr möglich. Am 25. Mai 2002 wurden die Fahrten von der BIS Bremerhaven Touristik wieder aufgenommen.

Die Wartungsarbeiten am Leuchtturm Roter Sand werden weiterhin von der ehrenamtlichen Turmmannschaft des Fördervereins „Rettet den Leuchtturm Roter Sand e.V.“ in Zusammenarbeit mit der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven durchgeführt werden. Im Jahre 2002/2003 wurde die Wärterstube nach alten Abbildungen wieder hergestellt und im Lichthaus eine Sitzbank aufgestellt. Ein altes Telefon und das Holz für die Sitzbank wurden bereits vom Förderverein angeschafft.

Zeittafel zur Geschichte des Leuchtturmes

1878 Vorschlag zur Stationierung eines Feuerschiffs in der Aussenweser und Gegenvorschlag für einen Leuchtturm mit festem Unterbau. Der Entwurf sieht einen festen Unterbau vor, der auf einem eisernen Senkkasten (Caisson) ruht.

1880 / 1881Im Mai 1881 Schleppen des Senkkastens auf die vorgesehene Position. Im August 1881 Beginn der Druckluftgründung und Absenken des Caissons auf etwa 22 m unter Niedrigwasser. Im Oktober 1881 Zerstörung des Senkkastens durch eine Sturmflut.

Im Mai 1883 Schleppen des neuen Senkkastens auf die vorgesehene Position, die sich etwa 1.000 m nördlich der alten Baustelle befindet. Im Juli 1884 Beginn der Bauarbeiten an dem Turmschaft. Am 23.10.1885 Bauabnahme des fertigen Turmes. Am 01. 11. 1885 – 00.00 Uhr Zünden des Feuers und Inbetriebnahme des Leuchtturms „Roter Sand“. Bis 1904 wird zeitweilig als Lichtquelle eine elektrische Bogenlampe verwendet.

1945 folgt die Umstellung des Feuers auf Propangas.

1947 Erzeugung der elektrischen Energie mit Hilfe eines Dieselaggregates.

1953 – 1955 Durchrostungen der Stahlhaut im Niedrigwasserbereich und weitere schwere Schäden festgestellt. 1958 – 1959 Untersuchungen auf Standfestigkeit wegen Modernisierung und Verwendung für Radaranlage. Da er nicht als stabil genug gilt , kommt er für dies nicht in Frage.

1961 – 1963 Bau des Leuchtturms Alte Weser als Ersatzbau, der 3 km nordöstlich des Leuchtturms Roter Sand entsteht.

09.01.1964 Auszeichnung der Leuchtturmbesatzung mit der Goldmedaille für verdienstvolle Leuchtturmwärter.

01.09.1964 Der Leuchtturm „Alte Weser“ nimmt seinen Dienst und die Funktion seines Vorgängers auf.

1979 / 1980 Erste Initiativen zum Erhalt des Turmes als Denkmal. 1983 Erste Erfassung der Kosten für die Fundamentsanierung durch das Wasser- und Schifffahrtsamt Bremerhaven.

1982 – 1983 Das für den Turm zuständige Niedersächsische Amt für Denkmalpflege stellt den Leuchtturm „Roter Sand“ unter Denkmalschutz.

11.11.1983 Gründung des Fördervereins „Rettet den Leuchtturm Roter Sand e.V.“ an Ort und Stelle.

1985 Buch „Leuchtturm Roter Sand“ erscheint.

11.11.1986 Feuer des Leuchtturms wird gelöscht.

01.10.1987 Beginn der Sanierungsarbeiten im Unterwasserbereich.

01.10.1988 Überstülpen einer 110 t schweren Stahlmanschette.

09.10.1987 Übernahme des Leuchtturmes durch die „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“.

1989 Kompletter Neuanstrich. Kosten 170.000 DM. Buch „Gerettet! Leuchtturm Roter Sand“ erscheint. Klärung des Innen- Sanierungskonzeptes. 1991 Bestandsaufnahmen durch den Förderverein.

1992 Rettungs-, Signalmittel- und Werkzeug-Grundausstattung werden beschafft. Grundreinigung des Turmes. Zusammenstellung des Inventars als Katalog.

1993 Möbel und Türen werden zum Restaurieren an Land gebracht. Instandsetzung des Schlafraumes.

1994 Dichtungs- und Malerarbeiten, Reparatur der Eingangstüren, Polstererneuerung der Küchenbank, Telefonanlage erprobt.

1995 Rostarbeiten, Telefonanlage verbessert, 2 Anlegedalben Durchmesser 80 cm gerammt.

1996 Entrostungs- und Anstricharbeiten, E-Leitungen erneuert, Tischlerarbeiten, Malerarbeiten im Schlafraum und in der Küche.

1997 Tischler- und Malerarbeiten, Entrostungs- und Konservierungsarbeiten im Laternenbereich durch den Förderverein. Möbel und Türen zum Turm zurücktransportiert. Fußbodenbelag in der Küche erneuert. Kernbohrung für Abfluss (Nasszelle). Reparaturen an der Turmwandung und am Dach der Laterne. Begleitung einer Filmgesellschaft, weitere Dokumentationen. Weiteres Inventar beschafft, Mast aus Edelstahl aufgestellt, Küchenherd beschafft, zum Umbau an Fachfirma gegeben.

1998 Edelstahl-Rahmen für Wassertanks geliefert. Holzfußböden in den Erkern erneuert, Außentür repariert und Nasszelle fertiggestellt. Installation fertiggestellt, Laternenraum fertig (Förderverein), Wachraum hergerichtet, Anstrich und Fußboden, Erweiterung der Solaranlage und Einbau eines Windrades, Installation der Brandmeldeanlage, Notruftelefon in allen Etagen, Anstrich des Laternenhauses (Förderverein).

02.07.1999 Erste Gästefahrt zum Leuchtturm Roter Sand.

04.07.1999 Erste Hochzeit auf dem Leuchtturm Roter Sand. In der ersten Saison im Jahre 1999 haben den Turm 310 Tages- und 49 Übernachtungsgäste besucht.

In der Besuchersaison 2000 haben 546 Tages- und 143 Übernachtungsgäste den Turm besucht.

24.09.2000 Vorläufige Einstellung des Besucherverkehrs wegen zu großem Sicherheitsrisiko.

23.05 – 25.06.2001 Der Leuchtturm Roter Sand erhielt einen neuen Außenanstrich.

In der verkürzten Besuchersaison 2001 haben 50 Tages- und 33 Übernachtungsgäste den Leuchtturm besucht.

27.07. – 28.07.02 Andreas Graf übernachtet auf dem Leuchtturm Roter Sand.

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